Erst für sich klären
Bevor man etwas sagen kann, muss man es wissen. Hilfreich ist, in drei Spalten zu denken: was ich möchte, was ich mir vorstellen kann, was ausgeschlossen ist. Die mittlere Spalte ist die wichtigste, weil dort die Dinge stehen, über die geredet werden muss.
Die Einteilung darf sich ändern. Was heute in der dritten Spalte steht, kann in einem Jahr in der zweiten stehen – und umgekehrt. Eine Grenze ist keine Festlegung für immer.
- Was ich ausdrücklich möchte
- Was ich mir unter Umständen vorstellen kann
- Was ausgeschlossen ist, ohne Verhandlung
- Was ich noch nicht weiß und ausprobieren möchte
Formulieren ohne Rechtfertigung
Eine Grenze braucht keine Begründung. „Das möchte ich nicht“ ist ein vollständiger Satz; alles, was danach kommt, öffnet eine Diskussion über etwas, das nicht zur Diskussion steht.
Wirksam ist die Ich-Form und die Gegenwart: nicht „man macht das nicht“, sondern „ich will das nicht“. Der Unterschied klingt klein und verändert die Reaktion deutlich.
Der richtige Zeitpunkt
Am leichtesten geht es schriftlich, vor dem Treffen, in ruhiger Lage. Das nimmt der Sache die Dramatik und gibt beiden Zeit, darüber nachzudenken, statt in der Situation zu antworten.
Ins Profil gehört das Wichtigste, in die Unterhaltung das Konkrete. Wer beides trennt, muss nicht sein halbes Leben ins Profil schreiben und trotzdem nichts Wesentliches erst im Zimmer klären.
Wenn eine Grenze angetastet wird
Beim ersten Mal genügt ein klarer Hinweis. Beim zweiten Mal ist es keine Unaufmerksamkeit mehr, sondern eine Entscheidung der anderen Person – und dann ist Beenden die richtige Antwort, nicht ein weiterer Hinweis.
Wer merkt, dass er seine Grenzen im Verlauf eines Gesprächs verschiebt, um jemanden nicht zu enttäuschen, sollte das ernst nehmen. Es ist das häufigste Muster hinter Erlebnissen, die hinterher als übergriffig empfunden werden.