Der Ablauf
Zuerst eine intensive Anfangsphase: sehr viel Aufmerksamkeit, Geschenke, schnelle Verbindlichkeit. Dann die schrittweise Isolierung – Streit mit Freunden wird gefördert, Kontakt zur Familie erschwert, ein Umzug oder ein Wechsel des Umfelds angeregt.
Danach entsteht eine Schuld: eine erfundene Notlage, angebliche Schulden, ein Kredit. Und schließlich die Aufforderung, „nur einmal“ und „nur für uns“ etwas zu tun, das dann nicht mehr aufhört.
- Sehr schnelle, überwältigende Zuwendung
- Kontakt zu Freunden und Familie wird untergraben
- Kontrolle über Telefon, Geld und Aufenthaltsort
- Eine Notlage, für die man einspringen soll
Woran Angehörige es merken
Ein neuer Partner, den niemand kennenlernt. Ein plötzlicher Abbruch alter Kontakte. Geldsorgen ohne Erklärung. Ein Wechsel im Auftreten und in der Sprache. Und die auffällige Verteidigung dieser Person gegen jede Nachfrage.
Vorwürfe helfen an dieser Stelle nicht – sie treiben Betroffene weiter in die Isolierung. Wirksamer ist, erreichbar zu bleiben und die Tür offen zu lassen, auch nach Streit.
Warum es schwer ist auszusteigen
Weil die Bindung echt ist, auch wenn sie hergestellt wurde. Betroffene erleben die Beziehung als Liebe und die Ausbeutung als etwas, das sie freiwillig tun – das ist Teil der Methode und keine Naivität.
Hinzu kommen Drohungen: mit Bildern, mit dem Umfeld, mit Gewalt. Ein Ausstieg braucht deshalb Unterstützung von außen und selten den einen entschlossenen Moment.
Wo es Hilfe gibt
Das Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 ist rund um die Uhr, kostenlos und in vielen Sprachen erreichbar, auch für Angehörige. Fachberatungsstellen gegen Menschenhandel arbeiten anonym und begleiten den Ausstieg.
Die Beratung ist unabhängig von einer Anzeige. Niemand muss sich vorher entscheiden, um dort anzurufen.