Der erste Satz entscheidet über den zweiten
Fast alle Profiltexte beginnen gleich: mit einer Begrüßung, dem Alter und der Feststellung, dass man neu hier sei. Das ist kein Einstieg, sondern eine Verzögerung – und wer zwanzig Profile hintereinander liest, hat diesen Anfang bereits zwanzig Mal gelesen.
Besser funktioniert ein Satz, der etwas Konkretes behauptet. „Ich koche gern für Leute, die pünktlich sind“ sagt in acht Worten mehr über einen Menschen als drei Zeilen über Ehrlichkeit und Humor. Konkret schlägt allgemein, immer.
Drei Teile, mehr braucht es nicht
Ein tragfähiger Aufbau besteht aus drei kurzen Abschnitten: wer man ist, wie der eigene Alltag aussieht, und was man hier sucht. In dieser Reihenfolge, weil der letzte Teil ohne die ersten beiden wie eine Bestellung klingt.
Wer nicht weiß, wie er anfangen soll, schreibt zuerst den dritten Teil. Sobald klar formuliert ist, was man sucht, ergibt sich der Rest fast von selbst – und man merkt schnell, welche Angaben dafür überhaupt relevant sind.
- Wer bin ich – ein bis zwei Sätze, konkret statt schmückend
- Wie sieht mein Alltag aus – Arbeitszeiten, Verfügbarkeit, Lebenssituation
- Was suche ich – Art des Kontakts, Tempo, Rahmen
- Wie soll man mich ansprechen – ein Satz genügt
Die Sätze, die jeder überspringt
Es gibt eine Handvoll Formulierungen, die so oft vorkommen, dass sie gar nicht mehr gelesen werden: „Ehrlichkeit ist mir wichtig“, „für alles offen“, „einfach mal schauen, was sich ergibt“, „frag doch einfach“. Sie sind nicht falsch, sie sind nur leer – niemand schreibt das Gegenteil.
Dasselbe gilt für Listen von Anforderungen an andere. Ein Profil, das mit vier Ausschlusskriterien beginnt, wirkt vor allem erschöpft. Grenzen gehören ins Profil, aber als ein Satz am Ende, nicht als Türsteherliste am Anfang.
Länge, Rechtschreibung und Ton
Als Anhaltspunkt: zwischen achtzig und zweihundertfünfzig Wörtern. Darunter fehlt die Substanz, darüber liest kaum jemand weiter. Wichtiger als die Zahl ist, dass jeder Satz etwas Neues bringt.
Rechtschreibung wird stärker bewertet, als den meisten lieb ist – nicht als Bildungsfrage, sondern als Signal für Aufwand. Wer sich fünf Minuten Zeit für den Text nimmt, wirkt wie jemand, der sich auch sonst Zeit nimmt. Ein Durchlesen vor dem Speichern reicht dafür meistens.
Zum Schluss eine Anknüpfung anbieten
Der letzte Satz sollte etwas hergeben, an dem man andocken kann: eine Frage, ein Thema, eine Einladung zu etwas Bestimmtem. Das erhöht die Zahl der Nachrichten weniger stark als die Qualität – und das ist der Handel, den man machen will.
Wer schreibt, worüber er gern länger reden würde, bekommt Nachrichten von Menschen, die genau dieses Thema mitbringen. Wer „schreib mich einfach an“ schreibt, bekommt Nachrichten, in denen genau das steht: Hallo.